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willkommen auf dezembra.de. Auf dieser Website finden Sie Informationen zu mir und meiner Arbeit. Als Journalistin und Autorin lebe ich, um davon zu erzählen. Begegnungen mit interessanten Menschen, ungewöhnliche Situationen, spannende Experimente: Im Blog schreibe ich über Themen, die mich momentan bewegen. Außerdem finden Sie auf den folgenden Seiten aktuelle Artikel und viele literarische Veröffentlichungen.

Wenn Sie möchten, werfen Sie doch auch einen Blick in mein virtuelles Bücherregal. Dort können Sie mit nur einem Klick ein Buch “herausnehmen” und in meinen veröffentlichten Kurzgeschichten und Gedichten blättern. Zum virtuellen Bücherregal geht es hier.

Ich freue mich, wenn Sie sich die Zeit nehmen, sich ein wenig umzusehen – und wenn Sie wiederkommen. Viel Spaß beim Lesen!

Grüne Schnörkel

Buchschreiben: Schatzsuche in Frankfurt

Roter HockerDeliah und ich wären ja einfach losgezogen, um Fotos zu machen. Doch unser Fotograf Robin Kehl, der von vielem und vor allem von Fotos sehr viel mehr Ahnung hat als wir, starrte uns entsetzt an, als wir genau das vor ein paar Wochen bei unserem ersten Bildermeeting sagten. “Das geht auf keinen Fall!”, klärte er uns damals auf, als wir im Café Mondnacht in Bad Vilbel bei Kaffee und Rührei zusammen saßen und unsere Gehirne zum kreativen Glühen brachten. “Ihr müsst doch wissen, was Ihr wo fotografieren wollt. Wann für welches Foto die beste Uhrzeit ist. Welche technische Ausrüstung Ihr braucht. Und so weiter.”

An diesem Vormittag lernten Deliah und ich von Robin den schönen Ausdruck “Locations scouten”. Ich war sofort begeistert, denn das hört sich großartig professionell an. Deshalb hatte ich vor unserem Scouting-Tag am Karsamstag schon ein bisschen Bauchschmerzen, immerhin hatten wir schließlich dann doch einen genauen Plan zusammengestellt, nach dem wir die verschiedenen Stadtteile und markanten Punkte abklappern wollten. Die einzige Möglichkeit, konkrete Pläne zu machen – vor unserem eigentlichen Shooting Mitte Mai.

Anne schreibt ein BuchDoch was wir dann erlebt haben, hatte mit Bauchschmerzen eigentlich gar nichts zu tun. :) Denn Locations scouten macht einfach nur wahnsinnig viel Spaß. Wir unternahmen einen wilden und sehr herzensoffenen Streifzug durch die Stadt, ein Orte-Casting mit viel Kaffee, einer Menge Fußschmerz und noch mehr Gelächter. Eine Schatzsuche nach Winkeln, Orten, Plätzen, Cafés und Fluren, bunten Kacheln, Wandmalereien, verwunschenen Hausfassaden und verschnörkelten Türgriffen. Und ich kann nur sagen: Unsere Stadt hat ganz viele verschiedene Gesichter. Mal ist Frankfurt elegant und glänzend wie ein neues Zwei-Euro-Stück, mal abgeblättert, zerkratzt und schäbig wie ein geliebtes Kinderspielzeug.

Ganz besonders freue ich mich, dass eine In-Location im Bahnhofsviertel zugestimmt hat, uns dort shooten zu lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass all das ein schönes, rundes Frankfurt-Bild ergeben wird. Danke, lieber Robin Kehl, für deine Erfahrung und deinen fotografischen Blick, ohne den ich völlig aufgeschmissen wäre. Und danke, liebe Deliah Eckhardt, für dein Trendgespür und die piratenartig-unerschrockene Freude, mit der du dich einfach mal auf ein altes Fahrrad schwingst, obwohl der Besitzer daneben steht. ;)

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Bücherblog: Adiós, Gabriel!

Der große kolumbianische Autor und Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez ist gestern im Alter von 87 Jahren gestorben. Ein großer Verlust, denn er konnte schreiben wie kaum ein Zweiter: Opulent, bildreich, sinnlich, duftend, verletzend. Seine Geschichten waren tragend und bedeutend, die Figuren eigenartig, egozentrisch und doch alle fest verankert in der Welt. Der magische Realismus, den Márquez so leicht und augenscheinlich mühelos beherrschte, hat mich schon immer fasziniert. Und wohin würde das Zauberhafte, Wunderbare besser passen als in die überreife, üppige Kulisse Südamerikas. Viel Folklore, viel Fremdheit – die westliche Welt liebte Márquez aus anderen Gründen als seine Landsleute, denen von Präsident Juan Manuel Santos nun sogar eine dreitägige Staatstrauer verordnet wurde. Aber vielleicht ebensosehr. 

Die Liebe in den Zeiten der Cholera, FischerGabriel García Márquez klimperte nicht nur auf der Klaviatur der ein bisschen zu grellen, ein bisschen schmutzigen Farben. Er wusste, was er spielte. Er ging mit dem Fremden, mit Zwielicht, Grausamkeit, Gestank und Träumen auf eine Weise um, die zeigte, dass er viel vom Leben verstand. Vergleichbares gibt es wenig; höchstens die Bücher von Isabel Allende, die ebenso unerschrocken ist, wenn sie im “Geisterhaus” die Protagonistin den Kopf ihrer toten Mutter in einer Kiste aufbewahren lässt.

Ich gebe zu, zu seinem Durchbruchsroman “Hundert Jahre Einsamkeit” habe ich keinen Zugang gefunden. Angeblich hielt Márquez  es selbst nicht unbedingt für sein bestes Werk, was mich beruhigt. Denn “Die Liebe in den Zeiten der Cholera” ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher. Nicht zuletzt auch, weil ich es beispiellos gelungen finde, wie Márquez es schafft, das Geheimnis des Titels erst mit dem allerletzten Satz aufzulösen. Ihm zu Ehren habe ich es heute morgen aus dem Regal geholt und den Feiertag lesend auf der Couch verbracht. Dabei habe ich auf vielen Seiten, schon lange, bevor die Erzählung der eigentlichen Liebesgeschichte zwischen Fermina Daza und Florentino Ariza beginnt, genau die mit zu vielen Perlenketten behangenen und huttragenden Zauberformeln entdeckt, die Gabriel García Márquez so unverwechselbar machten. Und wie immer bin ich traurig, dass mein Spanisch viel zu schlecht ist, als dass ich seine literarischen Beschwörungen im Original würde verstehen können.

Die Seitenanhaben der Textstellen beziehen sich auf meine alte und ziemlich zerfledderte Bücherbund-Ausgabe aus den 80er Jahren, die ich irgendwann mal auf einem Flohmarkt gekauft habe und innig liebe. “Die Liebe in den Zeiten der Cholera” ist allerdings in vielen verschiedenen Versionen erschienen. Neu bei Amazon ab 7 Euro, gebraucht ab 1 Euro erhältlich. Unbedingt lesen.

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Wortbild: Mond

Mond

I fell out of her eyes
And I fell out of her heart
I fell down on my face
Yes I did
And I tripped and I missed my star
Then I fell and fell alone
And the moon’s a harsh mistress
And the sky’s made of stone

The Moon’s A Harsh Mistress, Jimmy Webb

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Bücherblog: Die, die immer lieben werden oder: Der Liebhaber Duras

Gastbeitrag der Journalistin und Autorin Georgia Lori

Die leise klingenden Dinge, die im Verborgenen geschehen, sind oft die, die uns am meisten berühren. Ein Augenaufschlag, der Duft von Landregen, gemischt mit der reifen Süße von Blüten und Staub, das Singen des Windes in alten Kirschbäumen. Es gibt auch Bücher, die diesen Dingen ähnlich sind. Bücher, mit so unendlich tiefen Geschichten, dass ihre Sprache hörbar wird, wenn sie die Schichten der Seele durchdringen.

Der Liebhaber„Der Liebhaber“ von Marguerite Duras ist ein Buch dieser Art. Es führt seine Leser in eine fremde und doch so vertraute Welt. Die Welt der Liebe, die Gewalt der Begierde, mit Stunden zum Sterben schön, mit Sätzen, deren Intensität unerwartet und überraschend kommt. Einer Poesie, die voller Stolz ist.

Das Buch wurde verfilmt, der Film vor einigen Tagen ausgestrahlt. Der Film ist ein Bilderbuch für die Sinne geworden und doch nicht vergleichbar mit diesem Buch aus dem Suhrkamp Taschenbuchverlag, das zu Hause in meinem Regal eingeklemmt zwischen „Die chinesische Geliebte“ von Hong Ying und „Die letzte Delikatesse“ von Muriel Barberry steht. „Der Liebhaber“ ist in guter Gesellschaft.

Die mittlerweile vergilbten Seiten, aus der Mitte der 1980er Jahre, stürzen mich noch immer in einen Wirbel aus Stille und Reglosigkeit. So schön ist diese Geschichte, so stark und zerbrechlich zugleich. Ich rieche den Duft der Zimtapfelbäume unter der schwarzen Soutane der Nacht. Wenn ich die Augen schließe, um die Sätze kurz auf mich wirken zu lassen, sehe ich in die Augen dieser Fünfzehnjährigen, die die Ebene der Vögel streift, auf einem Nebenarm des Mekong, der sich zwischen Vinhlong und Sudec durch die große Schlamm-und Reisebene des südlichen Kotschinchina zieht.

Als ich 15 Jahre alt war, habe ich begonnen Hermann Hesse zu lesen. Ich hatte einen Liebhaber, der zehn Jahre älter war. Es gab keine Stunden am Mekong, doch Nächte am Ufer des Mains. Duras Liebhaber ist überall, zu jeder Zeit. Es wird immer Frauen geben, die lieben, und Männer, die es tun, und jene, die nie aufhören werden zu lieben und lieben werden, bis zu ihrem Tod. „Der Liebhaber“ ist ein Buch, das Erinnerungen zeichnet, Skizzen von Zerrissenheit und Glück, von Momenten, die uns über Nacht erwachsen werden lassen. Das ist gut so!

Was könnte schöner sein, als ein Buch, das derart subtil über die Lust und das Leben erzählt? Nur die Liebe selbst. Nur, wenn sie erwidert wird. Und sei es auch nur eine kurze Zeit. Der Liebhaber ist ein Buch für all jene, die das Leben lieben. Eine sehr elegant geschriebene Love Story ohne eine Spur von Scham. Ein Buch zum Lieben.

“Der Liebhaber” von Marguerite Duras ist als Suhrkamp Taschenbuch erschienen und kostet bei Amazon 8 Euro. Gebraucht ab 1,40 Euro.

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Anmerkung von Anne: Georgia, danke für diesen schönen Beitrag – der zugleich ein kleines Jubiläum ist: Es ist der 250. Eintrag auf dem Dezembra-Blog. :) Ich freue mich ganz besonders, dass ausgerechnet ein Gastbeitrag diese Marke geknackt hat, denn das zeigt, dass dieser Blog so genutzt wird, wie er ursprünglich einmal gedacht war: Als Forum, um Literatur zu feiern. Zum Jubiläum wünsche ich mir noch viele Gastbeiträge, Buchbesprechungen und spannende Neuigkeiten aus der Welt des Schreibens und Lesens.

250 Beiträge

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Buchschreiben: Zeitprobleme

Arbeitsplatz

Früher habe ich vor allem nachts geschrieben. Oft so lang, dass ich kaum noch zum Schlafen kam. Aber das war okay, ich war 15 und wusste nicht, wohin mit meiner unglaublichen Inspiration und mit meinen wirbelnden Gefühlen. Das waren großartige Nächte, auch wenn ich am nächsten Morgen meistens etwas mondsüchtig daher kam.

Heute, mit 31 und mit einem Vollzeitjob, brauche ich meinen Schlaf etwas dringender als damals. Und habe entdeckt: Die Morgenstunden sind als Schreibzeit auch nicht übel. Da sind Hirn und Geist ausgeruht, Herz und Seele haben sich ein paar Stunden lang erholen können vom aufwühlenden Vortag, und ich bin, mit der Hilfe eines starken Kaffees aus meiner liebsten irischen Werbetasse, halbwegs wach. Wenn ich dann erstmal an meinem momentanen Lieblingsarbeitsplatz im Wintergarten sitze und mit dem Schreiben angefangen habe, will ich meistens gar nicht mehr aufhören.

Anne schreibt ein BuchAber ich muss. Denn ich muss ja zur Arbeit. In die Redaktion, zum Pressetermin, zum Steuerberater. Jetzt, mit einer Deadline im Kalender, spüre ich das Dilemma plötzlich jeden Tag: Die Zeit zum Schreiben fehlt, weil der Alltag schon kaum schaffbar ist. Und, ich gestehe es: Am Wochenende brauche ich auch mal ein bisschen Zeit für mich (im besten Fall, meistens hetze ich auch hier von Freizeittermin zu Freizeittermin). Auch jemand, der hauptberuflich schreibt, kann ja nicht immer liefern.

Doch auch wenn ich gern mehr Zeit hätte, läuft es mit meinem morgendlichen Schreiben gerade wirklich gut und ich bin zuversichtlich, dass es genauso gut weitergeht – und ich die Deadline locker einhalten kann.

Übrigens: Lyrik oder traurige Kurzgeschichten schreibe ich nach wie vor nachts am liebsten bei Kerzen- oder Mondschein, denn das geht einfach nicht ohne entsprechende Stimmung. Wie haltet Ihr anderen Schreiber das eigentlich?

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Buchschreiben: Von Einzelkämpfern und Teamplayern

Fotografenmeeting

“So 70, 80 Fotos brauchen wir schon, um Ihr Buch zu bebildern”, hatte der Verleger so ganz nebenbei gesagt, als wir uns vor einer Woche in Frankfurt zur Vertragsunterzeichnung getroffen haben. “Was die Bilder betrifft, lassen wir Ihnen aber natürlich freie Hand.” In dem Moment klang das eigentlich ganz gut, vor allem, weil ich ja, was mein Buch betrifft, am liebsten jede Entscheidung ganz alleine treffen würde.

Anne schreibt ein BuchDas hätte mir vielleicht schon eine Warnung sein können, dass ich auch in den kommenden Wochen nicht zum Schreiben kommen würde… Denn auch wenn ich mir das in dem Moment so vorstellte, langen ein paar hübsche, selbstgeschossene Bilder aus der Frankfurter Innenstadt natürlich noch lange nicht. Vor allem dann nicht, wenn es ein richtig tolles Buch mit ausdrucksstarken Fotos werden soll. Ein Buch mit einem ganz eigenen Stil. Das merkte ich schnell, als ich alleine mit der Spiegelreflexkamera loszog, um in Frankfurt ein paar Motive einzusammeln. Darunter waren zwar ein oder zwei Kuriositäten – doch das ganze hatte nur wenig Klasse und so gar keinen durchgehenden Stil. Und wie Kunst wirkte es schon mal gar nicht.

Einige Tage lang fühlte ich mich ziemlich allein gelassen mit meiner großartigen freien Hand. Der Engländer würde mit freundlichem Lächeln feststellen: “Well, basically you’re screwed.” Doch ich will nicht screwed sein – ich will ein tolles Buch veröffentlichen, dessen wunderschöne Bilder meinen hoffentlich guten Text stilsicher unterstreichen, statt ihn hinunter zu sich in die Gosse zu ziehen…

IMG_20140401_113635Und hier kommt meine Kollegin Deliah ins Spiel, Nachwuchsredakteurin und Hobbymodel. Sie war die Allererste, die überhaupt von meinem Buchvertrag erfahren hat, denn als vor einigen Wochen die Zusage des Verlags per E-Mail kam, war ich gerade auf der Arbeit und musste es einfach sofort jemandem erzählen. Sie freute sich unheimlich mit mir und bot spontan an: “Wenn du noch jemanden für die Fotos brauchst, helfe ich dir.”

“Jemanden für die Fotos brauchen” ist vielleicht eine etwas untertriebene Formulierung für das, was nun tatsächlich daraus geworden ist. Denn Deliah stellte mir einen großartigen jungen Fotografen vor, der sofort interessiert war. Vor ein paar Tagen haben wir uns nun zu einem ersten Meeting in Bad Vilbel getroffen – Deliah, der Fotograf Robin Kehl und ich. Und obwohl ich eigentlich dachte, ich wüsste, welche Art von Fotos ich für mein Buch möchte, haben wir zusammen einfach so großartige Ideen entwickelt, dass nun alles anders wird. Ihr dürft gespannt sein.

Und ein absolut großartiger Nebeneffekt ist, dass ich jetzt nicht mehr alleine für alles verantwortlich bin. Ich habe einen Foto-Chef, dem ich bei vielem auch freie Hand lassen werde, und ich habe ein großartiges Model. Robins und Deliahs Begeisterung gibt mir ein bisschen inneren Frieden zurück und den Glauben daran, dass wir dieses Projekt zusammen schon wuppen werden. Und dass es gut werden wird. So basically I’m not screwed anymore.

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