[Dieser Artikel ist am 2. Mai in der Bad Vilbeler Ausgabe der Frankfurter Neuen Presse erschienen. Für die Recherche war ich für einige Stunden im Kloster Engelthal in Altenstadt (Wetterau) - einem sehr friedlichen, achtsamen Ort nah am Himmel.]
Schwester Caterina Görgen führt das Altenstädter Kloster Engelthal in eine energiesparende Zukunft. Die Schwestern heizen mit Erdwärme, Holzpellets und Sonne, die Toilettenspülung funktioniert mit Regenwasser. So viel Einsatz begeistert auch das Bistum Mainz. Ein himmlisches Energiekonzept.
Von Anne Zegelman
Altenstadt. Ein wenig bang war Schwester Caterina Görgen schon zumute, als sie im Dezember die Heizölanlage abschaltete. Würde der Übergang zur neuen, durch Holzpellets betriebenen Heizanlage funktionieren? Oder würden die Ordensfrauen womöglich im Kalten sitzen? „Natürlich muss man auf die Hilfe des Himmels vertrauen“, sagt Schwester Caterina. Es hat sich gelohnt, die neue Anlage sprang an und läuft seitdem. Als Notlösung hat die patente Verwaltungsleisterin des Klosters Engelthal trotzdem einen alten Heizölbrenner behalten. „Man weiß ja nie“, sagt sie lächelnd. „Denn letztlich muss man bei solchen Fragen schon mit beiden Beinen auf der Erde stehen.“
Das Kloster in der malerischen Landschaft Altenstadts hat eine lange Geschichte und einen modernen Auftrag. „Wir bemühen uns um einen achtsamen und respektvollen Umgang mit den Menschen, den Dingen und der Natur“, sagt Schwester Caterina. „Das wollen wir auch angesichts der aktuellen ökologischen Herausforderungen in unserer Welt umsetzen.“ Bereits 2003 haben die 19 Schwestern sich deshalb auf den Weg in die energetische Zukunft gemacht und seitdem viel erreicht. Das beeindruckte auch das Bistum Mainz, das die Altenstädter Schwestern und ihr ganzheitliches Öko-Konzept nun auszeichnete.
„2003 haben wir noch über 80 000 Liter Heizöl im Jahr verbraucht“, erzählt Schwester Caterina. Also fingen sie und ihre Mitschwestern an, Energie zu sparen: „Wir haben isoliert, wo es ging, und ansonsten oft auch die Heizung heruntergedreht. Zwei große Räume haben wir zum Beispiel gar nicht mehr genutzt, sondern uns in kleinereren Zimmern versammelt.“
2006 bot ein Bauprojekt dann die Chance, das gesamte Energiekonzept des Klosters zu überdenken. Zwei Gebäudeflügel mussten abgerissen und neu gebaut werden. Die Schwestern entschieden sich, statt mit Öl künftig mit Erdwärme zu heizen. „Der Neubau war ein ökologischer Meilenstein“, findet Schwester Caterina. Und der Startschuss für weitere Veränderungen. Für den Neubau des abgerissenen Klosterteils wurden vor allem natürlich Baustoffe wie Ziegel, Stein und Holz aus vorwiegend heimischen Vorkommen verwendet.
Die alten Klostergebäude werden seit Dezember 2012 mit einer Holzpellet-Heizung gewärmt. Die Schwestern stellten um auf Ökostrom, installierten sogenannte Maximumwächter, die ab einem bestimmten Spitzenwert elektrische Geräte automatisch und nach Priorität abschalten.
Ihre Wasserversorgung haben die Schwestern bereits vor einigen Jahren neu organisiert; sie benutzen Regenwasser zur Toilettenspülung im Gästehaus und Neubau des Klosters, haben einen Brunnen zur Gartenbewässerung gebohrt und erweitern das alte Zisternensystem, das noch auf die Zisterziensische Tradition der Klostergründunderinnen zurück geht.
Nun kommt noch Sonnenkraft dazu: Die Fundamente für die ersten Solaranlagen sind bereits gegossen, bald sollen hier 66 Quadratmeter Photovoltaik-Zellen errichtet werden. Und auch über Dachflächen, die für die Sonnenenergiegewinnung in Frage kommen, hat Schwester Caterina schon mit dem Denkmalamt verhandelt. Ihr ehrgeiziges Ziel: „Wir möchten eine hundertprozentige Versorgung durch erneuerbare Energien!“
Die energetischen Neuerungen haben die Nonnen übrigens aus eigener Tasche gezahlt. 250 000 Euro kosteten die Holzpellet-Heizung und die Solarzellen für die gerade entstehende Photovoltaik-Anlage, 100 000 Euro kostete das Erdwärme-Heizungssystem mit Fußbodenheizung im Neubau. „Wir haben bereits lange dafür gespart, mit Unterstützung unserer Stiftung und Spenden ist es uns gelungen, das zu stemmen“, so Schwester Caterina. „Das war uns wichtig, wir wollten selbst einen Beitrag leisten.“
Die Verwaltungsleiterin und Geschäftsführerin des Klosters ist die treibende Kraft hinter der Erneuerung, eine Art himmlische Energie-Visionärin. „Die Achtsamkeit im Zusammenleben von Mensch und Natur, die Segnungen und Gefahren der Technik – all das hat mich schon seit der Schulzeit interessiert“, sagt Schwester Caterina.
Ohne den Hausmeister des Klosters, Norbert Gurb, sei all das aber nicht möglich gewesen: „Er war auf der Baustelle, wenn ich mich meinen anderen Aufgaben widmen musste, und hat den ganz direkten Kontakt zu den Handwerkern gehalten.“ Und auch der zuständige Bistumsmitarbeiter Michael Helwig und Johannes Krämer, Baudezernent der Diözese Mainz, hätten einen großen Anteil. „Gemeinsam mit ihnen haben wir uns auf den Weg gemacht“, sagt Schwester Caterina. Die Bemühungen spiegeln sich auch im Motto, das die Schwestern seit 2006 führen: „Wo Himmel und Erde sich verbinden“. Es könnte nicht besser passen.
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